Alle Beiträge von Fritz Krienbühl

150 Kartengüsse für die Paten, Spender, Freunde, Bekannte usw. müssen noch geschrieben werden…

Um 5 Uhr ist erste Tagwache wie bereits beschrieben, aber nochmals umdrehen und weiter schlafen bis zur 2ten Tagwache um 7 Uhr.

Frühstück wie immer um 8 Uhr und dann antreten zur Arbeit. Taxi Gopi anrufen und um 9 Uhr geht’s nach Mysore. Unbedingt noch Karten und Briefmarken sowie Air-Mail-Kleber besorgen. Denn die Kartengüsse für die Paten, Spender, Freunde, Bekannte usw. circa 150 Stück müssen noch geschrieben werden und sollten so schnell wie möglich zur Post damit sie noch vor der Weihnacht ankommen. Wenn sie aber im selben Tempo befördert werden wie es war beim Briefmarken kaufen, dann kommen sie gerade recht zu Ostern. Für die 150 Briefmarken dauerte es 35 Minuten.

Air-Mail-Kleber gibt es nicht mehr bei der Post wie früher und auch kein Geschäft hatte welche. Ich fand aber einen Drucker der mir innert 20 Minuten die gewünschten Kleber druckte, 4 grosse Bogen für 100 INR. Wer würde bei uns noch sofort und im Eiltempo für 2.80 CHF inkl. Material so etwas machen.

Sr. Dulia bekommt es nicht richtig in den Griff!

Wir wussten schon seit unserem letzten Besuch in Ganjam, dass etwas auf uns zukommen würde und wir im Frühjahr unbedingt hätten nach Indien reisen müssen. Doch dies war wegen unseres Domizilwechsels nicht möglich. Wir wussten, nach Rücksprachen mit der Oberin von Karnataka, dass Sr. Dulia per Ende Mai 2008 ersetzt würde, da sie ihre Aufgaben nicht richtig in den Griff bekam. Die neue Schwester musste unbedingt in ihre Tätigkeit eingeführt werden, welches nicht einfach so von einem Tag auf den andern bewerkstelligt werden kann. Wir versuchten also nochmals mit verschiedenen Schreiben zu helfen und baten die Schwester, eine enge Zusammenarbeit mit Elizabeth, der Leiterin der Nähschule, zu pflegen. Sie weiss sehr gut Bescheid und kennt alle Kinder und Familien, da sie ja schon seit 11 Jahren für uns arbeitet.

Um 5 Uhr weckt uns der Muezzin!

Am andern Morgen um 5 Uhr schallt uns der Gebetsruf des Muezzin entgegen, aber kurz umdrehen und nochmals eine Runde schlafen. Um 7 Uhr „Indian Breakfast“, Tee oder Nescafé mit Milch, Toast und Bananen.

Mayte zeigt mir sehr stark juckende Stellen am ganzen Körper. Es müssen ca. 40-45 Flohstiche sein, die sie auf dem Rücksitz des Taxis aufgelesen hat. Der Verantwortliche im Reisebüro wird von uns hören.

Die Oberin Sr. Clementia und Sr. Crescens kommen uns natürlich begrüssen und wollen schon wissen was für Essenswünsche wir hätten. Mit den jahrelang gemachten Erfahrungen aber erklären wir, dass wir immer das essen was auch die Schwestern essen, und diese leben ja auch noch.

Bereits um 8 Uhr bin ich bereits mit der Schwester im Büro und lasse mich überraschen, während Mayte sich in der Nähschule engagiert.

Der erste Eindruck ist gut und alles sieht sehr ordentlich aus. Ich will natürlich zuerst einmal die Hinterlassenschaft von Sr. Dulia kontrollieren. Ich hatte ja ihre Schlussabrechnung mit einem Saldo von rund 19’000.- Rs. erhalten. Diese Abrechnung kam unter Mithilfe der Hauptbuchhalterin aus Mysore zustande. Und wie mir Sr. Crescens im Vertrauen mitteilte, musste die Provinzialität, einige Rupien dazu legen damit der Cash-Saldo stimmte.

Um Mitternacht kamen wir in Ganjam an!

Endlich war es so weit und wir erreichten Bangalore am Abend des 6. Dezembers 2007, um 20.15 Uhr.

Wahrscheinlich zum letzten Mal landeten wir auf dem alten Flughafengelände. Denn am 30. März 2008 wird der neue Flughafen Devanahalli, 37 km nördlich von Bangalore eröffnet.

Wir können nur hoffen, dass bis dahin auch die Umfahrungsstrassen fertig gestellt sind, sonst dürfte es in Sachen Stadtdurchquerung von Bangalore weiterhin chaotisch sein. Zur Zeit braucht es vom Flughafen bis zur Mysore Road, oder umgekehrt, eine bis sogar eineinhalb Stunden entsprechend der Tageszeit.

Das vorbestellte Taxi, respektive der Fahrer stand bereit, bis er jedoch das Fahrzeug aus dem Parkplatz und dem Durcheinander vor dem Flughafengebäude befreit hatte dauerte es eine Viertelstunde.

Um Mitternacht kamen wir in Ganjam an. Das heisst wir brauchten für die rund 150 km, trotz 4-spuriger richtungsgetrennter Fahrbahn 3 Stunden. Kaum zu glauben, dass wir schon dieselbe Strecke, noch auf der alten Strasse in 2 1/2 Stunden schafften. Aber eben erst muss man quer durch Bangalore, und dies heisst Nerven prüfen.

Riesenempfang in Ganjam, Elizabeth, Lakshmi und ihr Mann sowie zwei Schwestern. Aber bitte schwatzt nicht zu viel, wir sind müde und bereits um 00.15 Uhr sind wir im Bett.

Der Fortschritt der Technik…

Der Fortschritt der Technik macht auch hier in der ländlichen Gegend nicht Halt. Vor zwei bis drei Jahren sah man hier die ersten Mobiltelefone in Gebrauch. Heute sind sie bereits ein nicht mehr wegzudenkender Bestandteil. Selbst Shanta welche bei uns im Tailoring arbeitet, in einer Palmblatthütte wohnt, nicht lesen und nur mit Mühe ihren Namen schreiben kann, ist im Besitz eines Mobiltelefons. Und dass Elizabeth als Leiterin des Tailorings eines hat, ist schon fast Ehrensache. Beiden dient das Handy aber eigentlich nur um angerufen zu werden, denn selbst anrufen kostet etwas, wenn auch nur sehr wenig.

Von der Schule muss am Mittag ein Essen abgegeben werden, was mit Hilfe der von uns aufgebauten Küche sehr gut funktioniert. (siehe dazu den Bericht: „Projekt Schulküche“) Jedoch im Kindergarten bringen die Kinder das Mittagessen selber mit oder es wird ihnen von zu Hause gebracht.

Ausbildung beendet oder leider aufgegeben!

Die nachfolgend genannten Kinder respektive bereits jungen Männer und Frauen haben ihre Ausbildung beendet oder, was leider auch vorkommt, aufgegeben und können nun ohne Unterstützung von 1×1 für Indien ihre weitere Zukunft gestalten und ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Swetha Mary (links im Bild) und Anthoniamma haben beide das CC (Community College) beendet und haben ihr Diplom als „Nursing Assistance“ erhalten. Damit können sie nun eine Arbeit als Hauspflegerin oder Hilfskrankenschwester aufnehmen.

Vincent hat das ITI (Industrial Training Institute) und somit seine Ausbildung zum Elektroniker abgeschlossen.

Jesudas hat sein Studium mit dem BA (Bachelor of Arts) abgeschlossen. Er ist nach Kalkutta verreist und will dort versuchen in einem Priesterseminar seinen Traum, Priester zu werden, zu erfüllen.

Arokiaraj hat das PUC (Pre University College) beendet. Dies entspricht in etwas unserer Matura. Doch weiterhin zur Schule gehen will er nicht mehr und sucht sich deshalb eine geeignete Stelle.

Stephen Raj, Ameena Banu sowie Dhanalakshmi hatten alle drei Mühe mit der Abschlussprüfung der 10ten Klasse welche ihnen die Tür für ein weitergehendes Studium öffnen würde. Stephen Raj gab deshalb auf und die beiden Mädchen versuchten während eines weiteren Jahres, unterstützt vom 1×1, die Prüfung noch zu bestehen, doch leider ohne Erfolg.

Flavia, welche sich im dritten Jahr der Ausbildung zur Krankenschwester befand hat die Prüfungen nicht bestanden und leider ihre Bemühungen aufgegeben.

Wir bedauern, dass diese jungen Leute nicht mehr Ehrgeiz zeigen, doch leider können wir sie nur beraten und unterstützen, doch die Leistung müssen sie selbst erbringen. Wir denken aber, dass auch ihnen dank unserer Hilfe für eine gute Schulbildung die Zukunft leichter fallen wird als wenn sie überhaupt keine Schulbildung erhalten hätten, und schliesslich kann nicht jeder Schüler oder jede Schülerin ein Genie sein, wie auch bei uns nicht.

Echt traurig stimmt uns aber die Tatsache, dass Priyanka aus dem Internat ausgerissen ist und bis heute niemand weiss wo sie sich aufhält. Alle hoffen wir, dass sie sich früher oder später doch wieder bei uns oder ihrer Familie melden wird.

Ein ganz besonderes Glück!

Die 8-jährige Ashwini hatte aber ein ganz besonderes Glück. Ihr Patenonkel hatte uns nämlich beauftragt sie zu fragen was sie sich zu Weihnachten wünschte. Mit ihrem ersten Wunsch, einen Hund, konnten wir uns nicht so richtig abfinden und erklärten ihr, dass so viele herrenlose, streunende Hunde gibt und sie sich doch an dessen Stelle etwas anderes wünschen solle.

Wir waren ganz überrascht, nach kurzem Überlegen kam kein Wunsch nach Schmuck, Spielsachen oder ähnlichem, nein sie entschied sie sich ganz bestimmt für Kleider und Schuhe. Obwohl während des Jahres alle Kinder die nötigen Kleider und Schuluniformen von der 1×1 für Indien eigenen Schneiderei bekommen. In unserer Nähschule durfte sie sich zwei Bekleidungen aussuchen und für die Schuhe ging sie mit der „Tante“ Mayte und Elizabeth, der Leiterin der Nähschule, zum nächst grösseren Ort Srirangapatna zum einkaufen.

Ausser den üblichen Schlüpfern die man zwischen die Zehen klemmt haben diese Kinder noch nie Schuhe besessen. Es ging nun also ans Auslesen und Probieren. Zum Schluss kam Ashwini nach hause mit 1 Paar Schuhe und Socken für die Schule, 1 Paar Turnschuhe und Socken, 1 Paar Slippers sowie einem Paar für den Sonntag. Sie strahlte über das ganze Gesicht und ihre Augen leuchteten als hätte sie einen 6er im Lotto gewonnen. Natürlich mussten Fotos gemacht werden um ihrem Patenonkel zu zeigen was sie sich gewünscht hatte.

Wenn Sie nun liebe Leser und Leserinnen meinen dies sei nun doch etwas übertrieben so bedenken Sie, dass wir im Namen des Patenonkels für die ganze Aktion den fast unglaublichen Betrag von nur ca. CHF 30.- ausgegeben haben. Nur schon die Freude und das Glück des Kindes zu erleben sind diesen Betrag mehr als wert.

1×1 für Indien spielt Christkind

Für Überraschung sorgten aber auch wir selbst. Doch hierzu lesen Sie den nachfolgenden Artikel den wir in unserer Lokalpresse abdrucken liessen.

1×1 für Indien spielt Christkind

Wie schon so oft, waren wir auch in dieser Adventszeit wieder bei den Kindern in Indien. Und seit langem ist den Kindern bewusst, dass wenn der „Uncle und Aunty“ (Onkel und Tante werden wir genannt) vor Weihnachten da sind gibt es ein kleines Geschenk. Dieses Jahr bekam jedes der unterstützten Kinder ein grosses Frottiertuch, eine wohlriechende Seife sowie einige Süssigkeiten. Alle, ob gross oder klein, freuten sich riesig darüber.

Die Höhenlage von rund 800 m.ü.M macht sich bemerkbar…

Dass die Leute in Indien nicht nur der Hitze sondern auch kühlen und kalten Temperaturen ausgesetzt sind ist eine Tatsache. Obwohl wir hier im Süden von Indien sind, so macht sich doch die Höhenlage von rund 800 m.ü.M bemerkbar indem die Temperatur in der Nacht bis auf rund 16 Grad fallen kann. Aber bereits wenn es kühler wird und wir uns noch hemdsärmlig wohl fühlen, sieht man Leute die wie im Winter eingepackt sind um sich vor der Kälte zu schützen. So geben wir denn auch Strickjacken und Pullover an die Kinder ab.

Girija und Radha arbeiten beide bei uns im Tailoring als Strickerinnen und sind dafür besorgt, dass immer genügend Stricksachen bereit sind.

Andere Nähschulen geben auf!

Eine eigentliche Überraschung aber war es nicht festzustellen, dass der von einer andern Schule angebotene Nähkurs wieder aufgegeben wurde. Das Resultat davon war, dass sich bei unserer Nähschule wieder mehr als 30 Frauen und Mädchen meldeten um an unseren Kursen teil zu nehmen. Aber wie schön früher erwähnt nehmen wir nur maximal 12 Schülerinnen auf um noch effizient unterrichten zu können. Eine Lösung würde darin bestehen am Vormittag und am Nachmittag je einen Kurs zu führen, aber dies würde unser Tailoring blockieren für die Herstellung der Uniformen und Kleider für die unterstützten Kinder.

Was unsere Tailoring-Crew leistet darauf können wir recht stolz sein, denn immer wieder erhalten wir Komplimente von Besuchern betreffend der hergestellten Sachen sowie der vorherrschenden Ordnung und Sauberkeit der Räumlichkeiten und Maschinen.

So haben sie sich denn auch eine Weihnachtsgratifikation verdient welche sie mit Freuden in Empfang nahmen.

38 Teilnehmer im Englischkurs?

Eine der Überraschungen war feststellen zu müssen dass sich die Teilnehmerzahl an unserem angebotenen Intensiv-Englisch-Kurs schlagartig auf 38 erhöht hatte. Unsere liebe neue Schwester hat den Sinn und Zweck dieses Kurses verkannt und nach indischer Praxis so viele Schüler wie nur möglich in den Kurs integriert. Ohne unser Eingreifen wäre die Anzahl der Schüler in nächster Zeit sicher noch gestiegen. Wir besprachen uns mit dem Lehrer und reduzierten die Anzahl auf 19 Teilnehmer. Dies ist wirklich das Maximum um noch einigermassen gut unterrichten und vom Kurs profitieren zu können.

Zudem haben wir für diesen Kurs ein provisorisches Ende per November 2007 gesetzt.

Der Kurs begann im November 2004 und wir nehmen an, dass in 3 Jahren genügend Kenntnisse vorhanden sein sollten, sich im Englisch zurecht zu finden.

Ob ein neuer Kurs mit neuen Schülern angesetzt wird, muss erst noch überlegt und besprochen werden. Interessenten sind sicher vorhanden doch müssen wir auch die Kosten berücksichtigen.

Der reinste Albtraum…

Nun am 17. November 2006 am Abend erreichten wir nach einer 4-stündigen Fahrt bei Dunkelheit und anhaltendem Regen unser Ziel in Ganjam. Diese Fahrt vom Flughafen in Bangalore bis hierher war mit europäischen Verhältnissen verglichen der reinste Albtraum. Obwohl die Strasse Bangalore-Mysore nun 4-spurig fertig gestellt ist, brauchten wir für die 150 km bis Ganjam diese Zeit. Dazu muss man wissen, dass man ohne richtig funktionierende Scheibenwischer fast nichts sieht, dass der alte Ambassador nicht zu den schnellsten Autos gehört und sich auf der Strasse nebst Autos auch noch Ochsenkarren, Fussgänger, unbeleuchtete Fahrzeuge und so vieles mehr befindet. Doch waren wir zufrieden, heil und unverletzt angekommen zu sein.

Ein Hilfeschrei…

Nachdem wir am 7. Februar 2006 von Ganjam abgereist sind, waren wir sehr erstaunt über das E-Mail, welches uns unsere Nähschulleiterin Elizabeth am 25. März 2005 zukommen liess.

Ein Hilfeschrei…

Daraus war zu vernehmen, dass Sr. Sunitha, welche erst seit Mai 2004 für uns tätig ist, abberufen und an einen anderen Ort versetzt werde. Da läuteten bei uns natürlich die Alarmglocken. Wir waren mit der Arbeit von Sr. Sunitha sehr zufrieden und hofften nämlich schon insgeheim, dass sie dem 3-jährigen Turnus der Transfers nicht anheimfallen würde, und nun dies!

Wir setzten uns sofort mit der Oberin von Karnataka in Verbindung und versuchten diese Versetzung rückgängig zu machen. Wir konnten uns nicht vorstellen bereits wieder im Mai für ein paar Wochen nach Ganjam zu gehen um eine neue Schwester mit ihren Aufgaben vertraut zu machen. Sie können sich vorstellen, dass es sehr lange dauert bis eine neue Kraft all die Gegebenheiten, all die Probleme und Sorgen der über hundert betreuten Kinder und deren Familien kennt und weiss wie sie am besten vorgehen und helfen kann.

Aber all unser Bitten nützten nichts, die Versetzung war beschlossene Sache und wir als Aussenstehende konnten uns sowieso nicht in die Angelegenheiten der Kongregation einmischen. Das einzig Positive an der ganzen Geschichte schien zu sein, dass an Stelle von Sr. Sunitha die Sr. Dulia nach Ganjam kommen sollte, sie die auch schon mal 1997/98 da war und sicher noch eine kleine Ahnung hatte wie das 1×1 für Indien funktionierte.

Wir konnten auch erreichen, dass die beiden Schwestern 2 Wochen zusammen waren und so die Informationen ausgetauscht werden konnten. Wir verlangten von Sr. Sunitha auch einen Rechnungsabschluss und die Übergabe an Sr. Dulia. Insofern konnten wir doch etwas beruhigt sein und in Ruhe abwarten was uns bei unserem nächsten Besuch in Ganjam vom November 2006 erwarten würde.

Die Nähschule vom „1×1 für Indien“

Als wir 1996 mit unserem „1 x 1 für Indien“ starteten haben wir sehr schnell erkannt, dass wir die Schuluniformen und auch Kleider für die Kinder selbst herstellen könnten. Damit würden auch Arbeitsplätze im kleinen Dorf geschaffen und die Uniformen und Kleider müssten nicht mehr in der Stadt gekauft werden.

Also engagierten wir eine Näherin, instruierten sie und gaben ihr den Auftrag Uniformen herzustellen. Frauen und Mädchen sahen dies und waren interessiert bei uns mit zu machen. Doch leider hatte niemand die nötigen Kenntnisse, waren aber sehr interessiert diese zu erlernen.

Also warum lehren wir nicht das Schneidern? Gedacht getan! Mayte arbeitete ein Lehrprogramm aus, angefangen von den einfachsten Tätigkeiten wie Nadeln einfädeln bis hin zum anfertigen eines Kleides. Das Ganze wurde mit Elizabeth, der Näherin und somit auch der zukünftigen Leiterin der Nähschule, durchgearbeitet. Drei aufeinander folgende Kurse von jeweils 3 Monaten wurden angesetzt, und sogleich Anmeldungen dafür angenommen. Die Nachfrage war und ist immer noch sehr gross.

In diesem Raum, der zum Kirchengelände der Pfarrei von Ganjam gehört, haben wir mit der Nähschule angefangen. Es war dies der erste Schulraum von Ganjam welcher im Jahre 1801 errichtet wurde. Das ganze Gebäude war etwas heruntergekommen. Der grösste Raum von ca. 2,5 x 4 m musste gereinigt und hergerichtet werden. Drei Nähmaschinen wurden angeschafft sowie einige Strohmatten für den Boden, und los ging’s mit der Nähschule.

Ohne Garantie wie lange uns dieser Raum zur Verfügung stehen würde, konnte es sich nicht lohnen zu viel in die Renovation des Gebäudes zu investieren. Also mussten wir uns über kurz oder lang nach etwas Geeignetem umsehen, was allerdings sehr schwierig war. Schlussendlich konnten wir ein kleines Haus mit verschiedenen kleinen Räumen mieten. Doch auch hier, wie aus dem Foto ersichtlich, war der Platz selbst im grössten Raum knapp bemessen. Da sich keine andere Möglichkeit anbot, mussten wir uns mit dem Gedanken anfreunden selbst etwas zu bauen.


Im Mai 1998 entschlossen wir uns, nach eingehenden Abklärungen, das Kindergartengebäude des St.Michaels Convent aufzustocken und für unsere Bedürfnisse herzurichten. Es war dies die beste und sicherste Lösung unserer Raumnot. Wir mussten kein Grundstück kaufen, was für Nichtresidente sowieso fast unmöglich ist, und das Grundstück des Convent ist eingezäunt und somit auch abgesichert. Bereits im März 1999 konnten die Räume der neuen Nähschule bezogen werden, wo es sich wunderbar arbeiten lässt.

In den neuen und hellen Räumen der Nähschule wird an der Maschine, am Tisch oder auch wie in Indien üblich am Boden hockend gearbeitet.

Alle Kinder welche die STD-Klassen besuchen (Standard-Klassen von der 1–7 als Primary und von der 8–10 als High-School bezeichnet), benötigen eine farbige und eine weisse Uniform, wobei wiederum jede Schule ihre eigene Farbe hat. Dies bedeutet also für unsere Schneiderei Hochbetrieb. Dies ist auch der Grund, dass die Kurse der Nähschule nur vom 1.Juli bis Ende März durchgeführt werden.

In der Nähschule sind jeweils ab dem 1. Juli, neun bis zwölf Schülerinnen, Frauen und Mädchen welche die 3 dreimonatigen Kurse besuchen und sich mit grossem Fleiss bemühen das Handwerk des Nähens und Strickens zu erlernen. Sehr viele Frauen und Mädchern warten darauf, einen Platz in der Schule zu bekommen, doch mehr als 11 Schülerinnen in die Kurse aufzunehmen würde für eine gute Ausbildung nicht dienlich sein.

Für bedürftige Frauen und Mädchen ist der Kurs gratis. Vermögendere bezahlen einen ganz kleinen monatlichen Beitrag. Die Stimmung in der Klasse ist heiter und gelöst. Die Unterrichtsstunden sind Montag – Freitag von 09.30 bis 13.00 Uhr. Am Nachmittag werden in der Nähschule Uniformen und Kleider für die Kinder, sowie andere Sachen hergestellt.

Herzlichen Dank an den grosszügigen Spender!

Seit letztem Jahr sind die Schulen verpflichtet den Schülern ein Mittagessen abzugeben. Auch die Schule der Karmeliten-Schwestern von Ganjam ist davon betroffen und muss täglich für ca. 370 bis 380 Kinder kochen. Zuerst kochte man im Freien wie die Pfadfinder und Camper. Jedoch bei Wind und Wetter war dies nicht möglich und sie bekamen ein kleines und baufälliges Lokal zur Verfügung gestellt.

Die Feuerung mit Holz ist kostspielig und zudem im geschlossenen Raum mit viel Rauch verbunden.

Wir beschlossen für die Schule eine Küche zu bauen, welche den Anforderungen genügt. Nach unserer Rückkehr erklärte sich ein grosszügiger Spender bereit die Kosten hierfür von Fr. 4200.- zu übernehmen. Herzlichen Dank!

Diese Küche ist nun fertig gestellt und alle sind sehr glücklich darüber. Einen ausführlichen Bericht darüber finden Sie unter Schulküche.

Immer voll mit Arbeit ausgelastet!

Das Nähcenter ist immer voll mit Arbeit ausgelastet. Zum Leidwesen von Elizabeth, der Leiterin, haben sich aber nur vier Frauen für den 3 dreimonatigen Kurs, von Juli bis März 2006 eingeschrieben. Grund hierzu ist, dass eine andere Schule gratis, Kurse angeboten hat, inklusive dem Versprechen eine Nähmaschine zu erhalten. Wir haben nun diese Schule besucht und folgendes festgestellt:

  • 2 Lehrerinnen
  • 1 Schülerin
  • und einige alte verstaubte Nähmaschinen

Einen Kursplan oder irgendwelche Studienunterlagen gab es nicht, auch ein Arbeitstisch zum Zuschneiden war nicht vorhanden, eben so wenig gutes Werkzeug. Jede Schülerin die zu den Kursen kam konnte selbst entscheiden was sie machen wollte.

Seit wir unsere Nähschule betreiben wurde schon verschiedentlich versucht uns zu kopieren, jedoch bis an hin ohne irgend einen Erfolg. Nach kurzer Zeit liefen die Schülerinnen davon und die vom Schulministerium gestifteten Maschinen verschwanden irgendwo.

Bereits sind aber, dieser Schule davon gelaufene, Schüler zu uns gekommen und wollten an den Kursen teilnehmen. Da wir aber für diese Kurse eine genaue Planung haben ist ein Einstieg längere Zeit nach Beginn nicht mehr möglich. Es ist somit anzunehmen, dass der nächste Kurs ab Juli 2006 wieder voll ausgebucht sein wird.

Ein weiterer Versuch mit SODIS…

Wie im letzten Bericht erwähnt haben wir uns alle Mühe gegeben den Frauen in einem Muslim-Viertel die Vorteile der Trinkwasseraufbereitung mittels SODIS beizubringen. Leider müssen wir nun aber feststellen, dass sich diesbezüglich ohne unsere Anwesenheit und Kontrolle gar nichts tut. Es ist leider sehr schade, aber wir können die Leute nicht zwingen gutes Trinkwasser aufzubereiten.

Anthony Vincent und andere sind nun im Internat!

Für den Erstklässler Anthony Vincent konnte ein Internatsplatz gefunden werden, um die 1. Klasse nachzuholen, denn als er noch zu Hause war ging er nie zur Schule. Seine Mutter verliess das Haus morgens früh um zur Arbeit zu gehen und er benutzte dies um die Schule zu schwänzen. Der Vater kümmert sich nie um die Familie und kommt nur nach Hause um zu schlafen, oder sich vom Alkoholrausch zu erholen.

Auch in einer Internatsschule sind Divya, Amalorbhavamary, Sheela, Silvia da Silva, Priyanka, Priyamala und Jyothi.

Fehlt Pushpamary die Motivation?

Pushpamary hat das Examen für das P.U.C. (Pre University College) nicht angetreten und zeigt auch kein Interesse dies zu tun. Wir haben mit ihr gesprochen und wollten sie ermuntern dies zu tun, jedoch ohne Erfolg. Wir organisierten für sie eine Anstellung in einem Ayurveda-Zentrum wofür sie sich anfänglich interessierte, schlussendlich jedoch nicht bereit war diese Stelle an zu nehmen. Wir gaben ihr nun noch die Chance das CC (Community College) zu besuchen um sich zur Krankenpflegerin auszubilden. Wird sie auch dies nicht wollen oder nicht regelmässig am Kurs teilnehmen, können wir leider nichts mehr für sie tun.

Shanti hat ihre Ausbildung als Lehrerin erfolgreich abgeschlossen!

Im vergangenen Herbst hat auch Shanti ihre Ausbildung als Lehrerin abgeschlossen und unterrichtet nun die Kinder einer ersten Klasse. Ihr Anfangslohn ist 2000 INR pro Monat (ca. 57 CHF), ein sehr guter Anfangslohn für das südliche Karnataka und dazu hat sie noch gratis Unterkunft und Verpflegung.

Minimale Fortschritte im Englisch!

In unserem letzten Bericht meldeten wir, dass sich der Englisch-Lehrer verabschiedete. Nicht sofort, jedoch auf Anfang Juli 2006, wurde ein neuer Lehrer gefunden welcher zu den gleichen Bedingungen wie sein Vorgänger, zweimal wöchentlich nach Ganjam kommt und einige Interessierte unterrichtet. Dieser Englischunterricht wird nun seit November 2004 gegeben. Leider wir müssen feststellen, dass die Fortschritte der einzelnen Teilnehmer sehr minimal sind. Alle können zwar sehr gut lesen und schreiben, doch stellt sich die Frage, ob sie auch wissen was sie lesen und schreiben. Denn wenn man sich mit ihnen in Englisch unterhalten will, steht man meist wie vor einer Mauer. Wir geben aber nicht auf und haben Hoffnung, dass sich alles noch verbessert.

Republic Day (Nationalfeiertag)

So sind wir also erst am Mittag des 25. Januar 2006 in Ganjam angekommen und am nächsten Tag war in Indien der Republic Day (Nationalfeiertag). Überall werden Veranstaltungen gemacht, die Nationalflagge gehisst und Reden geschwungen. Auch an den Schulen wird gefeiert und wir wurden als Gäste zu einer Veranstaltung an der Schule der Karmeliten Schwestern eingeladen. Angefangen bei den Kindergärtnern bis hin zu den Schülern der 7ten Klasse hatten alle etwas vorzuführen. Mit grossem Fleiss und lauter Musik wurde getanzt, geturnt und gesungen. Der ganze Anlass wurde von Shabeer, einem ehemaligen Patenkind, welches nun an der Schule als „Physical Trainer“ (Sportlehrer) angestellt ist, perfekt organisiert und geleitet.

Wir kehren dem halbjährlichen Turnus den Rücken…

Bis an hin reisten wir jeweils im Mai/Juni sowie im November/Dezember nach Indien um vor Ort nach dem Rechten zu sehen, um zu organisieren, mit zu helfen und die Abrechnungen zu machen. Dies ist nun das erste Mal seit 10 Jahren, dass wir diesem halbjährlichen Turnus den Rücken gekehrt haben. Wir können dies absolut verantworten da die Schwester, welche für uns dort tätig ist, sehr gute Arbeit leistet und auch die Nähschule durch deren Leiterin kompetent geführt wird.

Und da wir, wie bereits in früheren Berichten und Mitteilungen vermerkt, keine Patenkinder mehr aufnehmen welche immer von uns selbst ausgesucht wurden ist auch unsere Anwesenheit nicht mehr so oft nötig, obwohl man uns am liebsten das ganze Jahr über dort haben möchte. Die Bitten und Gesuche um Unterstützung von Kindern und Familien, werden von der Schwester untersucht und entschieden. In Zweifelsfällen nimmt sie Rücksprache mit uns sei es per Briefpost oder in dringenden Fällen per E-Mail, welche jedoch nur über eine entfernte Aussenstelle gemacht werden können.

Dass wir bei unseren Reisen nach Indien nun auch anfangen grössere Intervalle zu machen ist auch darin begründet, dass die Reisen immer teurer werden. So gilt es auch hier zu sparen und sich nach günstigen Flugverbindungen umzusehen. Diese Reise vom 23. Januar 2006 führte uns deshalb auch nicht via Bombay nach Bangalore und Ganjam sondern via Colombo in Sri Lanka.

Der Nachteil bestand diesmal jedoch darin, dass wir in Colombo keinen direkten Anschluss hatten und erst am nächsten Tag weiter fliegen konnten.

Immer wieder diese Korruption!

Dass wir immer wieder mit Korruption konfrontiert werden zeigen zwei kleine Beispiele:

Wir müssen feststellen, dass wir für bezahlte Schulkosten an staatlichen Schulen keine Quittungen erhalten. Ob dies wohl damit zu tun hat, dass diese Kosten „irrtümlich“ oder ungerechterweise verlangt werden?

Die Mutter von Sandya Rani, welche weder lesen noch schreiben kann, kam zum x-ten Mal und brachte nun endlich das für die Einschreibung an der Schule notwendige Geburtszertifikat. Der Name des Kindes aber fehlte. Für dieses Formular hat man ihr 200 Rs. abverlangt. Nachbarn überzeugten sie aber bereits vorher ein Kastenzugehörigkeits-Zertifikat zu verlangen welches ihr, obwohl es in Indien offiziell keine Kasten mehr gibt, ausgestellt wurde und man ihr hierfür sogar 250 Rs. abknöpfte. Ein solches Zertifikat ist normalerweise für 20-30 Rs. zu bekommen.

Dieses Beispiel zeigt wieder einmal deutlich wie die ungebildeten und armen Leute betrogen werden. Inhaber von Stellen nützen die Unwissenheit der Analphabeten um sich zusätzliche Einkünfte zu beschaffen.

Schulen sind verpflichtet den Schülern ein Mittagessen abzugeben…

Seit letztem Jahr sind die Schulen verpflichtet den Schülern ein Mittagessen abzugeben. Auch die Schule der Karmeliten-Schwestern von Ganjam ist davon betroffen und muss täglich für ca. 370 bis 380 Kinder kochen. Zuerst kochte man im Freien wie die Pfadfinder und Camper. Jedoch bei Wind und Wetter war dies nicht möglich und sie bekamen ein kleines und baufälliges Lokal zur Verfügung gestellt.

Die Feuerung mit Holz ist kostspielig und zudem im geschlossenen Raum mit viel Rauch verbunden.

Wir beschlossen für die Schule eine Küche zu bauen welche den neuen Anforderungen genügt. Nach unserer Rückkehr erklärte sich ein Spender bereit die Kosten hierfür von Fr. 4200.- zu übernehmen.

Herzlichen Dank!

Ausbildung gezielt fördern…

Mit einigen Patenkindern die bald die schulische Ausbildung beenden werden, besuchten wir ein Ayurvedic-Zentrum, ein grosses Hotel und die Ausbildungsstätte des CC (Community College). Wir wollten ihnen damit die Möglichkeit geben, etwas mehr über verschiedene Berufe zu erfahren, und ihnen auch gleichzeitig zeigen, dass es nicht immer eine Universitätsbildung braucht um einen guten Job zu ergattern. Denn bereits mit dem Abschlusszeugnis der 10ten Klasse oder dem Zeugnis über das bestandene PUC (Pre University College) kann man einen Beruf ausüben.

Es ist unsere Absicht die Ausbildung der Kinder gezielt zu fördern und wirklich besonders begabte zu einem Universitätsabschluss zu führen. Jedoch minder begabte Schüler für handwerkliche Tätigkeiten zu interessieren. So haben wir denn auch Regeln aufgestellt die zu erfüllen sind, um unsere Unterstützung auch nach Abschluss der 10ten Klasse zu bekommen.

Positive Neuigkeiten aus der Nähschule!

Unser Tailoring-Center (Nähschule) arbeitet nach wie vor ausgezeichnet. Auch spricht es sich langsam herum, dass die Schuluniformen welche wir herstellen von besserer Qualität sind als üblich und somit auch länger halten. Daher sind viele Mütter, von nicht unter-stützten Kindern, bereit diese bei uns zu kaufen obwohl sie ein paar Rupien teurer sind.

Dasselbe gilt auch für andere Kleidungsstücke und hilft der Nähschule die Kosten zu decken.

Durch den Verkauf von einigen Artikeln in der Schweiz, wo natürlich viel mehr bezahlt wird als in Indien, konnte die Kasse des Nähschule, einen schönen Zustupf verbuchen.

Hier zwei Beispiele aus unserer Nähschule. Für den nächsten Winter werden wieder eine Menge Pullover und Jäckchen gebraucht, obwohl auch dann Temperaturen vorherrschen wie bei uns im Sommer.

Von den 11 Frauen und Mädchen welche die Nähkurse begannen haben leider nur 7 bis zum Schluss durchgehalten und konnten das heiss begehrte Zertifikat in Empfang nehmen.

SODIS erneut erklärt!

Wie bereits im November, jedoch diesmal viel intensiver, versuchten wir den Frauen in einem Muslim-Viertel die Vorteile der Trinkwasser Aufbereitung mittels SODIS (Abkürzung von Solar Water Disinfection) bei zu bringen. Wir hatten schon vorher PET-Flaschen gesammelt und erklärten ihnen nun die ganz einfache Handhabung. Täglich gingen wir hin, kontrollierten und erklärten aufs Neue was richtig und falsch war. Ob sich das SODIS jedoch durchsetzen wird ist fraglich. Solange am Morgen und am Abend klares Wasser aus den Röhren fliesst und die Frauen wissen, dass dieses Wasser über die Wasseraufbereitungsanlage zu ihnen kommt, glauben sie es sei auch zum Trinken geeignet. Dass es sich dabei aber um Flusswasser handelt worin Autos, Kühe, Wäsche usw. gereinigt werden, wo Abläufe hinein geleitet werden und in der Aufbereitung nur der gröbste Dreck zurückgehalten wird ist ihnen nicht bewusst und glauben es nur schwerlich.

Wir vergeben keine neuen Patenschaften mehr!

Wie wir in unserem Nachrichten-Nachtrag mitteilten und begründeten, vergeben wir keine neuen Patenschaften mehr. Die Zahl der Patenkinder hat sich deshalb auf 96 reduziert. Wesentlich erhöht hat sich jedoch die Zahl der nicht von einem Paten oder einer Patin unterstützten Kinder.

Es sind 70 neue Kinder, die in irgend einer Form unsere Unterstützung für ihre Ausbildung bekommen.

Wieder haben einige Kinder ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen!

Wiederum haben ein paar Kinder, respektive Jugendliche dank unserer Unterstützung ihre Ausbildung abgeschlossen. So zum Beispiel hat Deepu sein BCom Diplom (Bachelor of Commerce), Shilpa ist Hilfskrankenschwester, Gracy Anthony hat die Ausbildung zur Krankenpflegerin beendet und Anthony Fernandez sein ITI-Training (Industrial Training Institute) Preethi hat das B. Sc. Diplom (Bachelor of Science) und wird hiermit sicher eine gute Anstellung finden.

Leider aber gab es im vergangenen Jahr auch Abgänge. So ist Anthony Robert von seiner Familie nach Bangalore zu Verwandten platziert worden, wo er wahrscheinlich als billige Arbeitskraft missbraucht wird. Sanjay Anthony ist mit seiner Mutter nach Bangalore gezogen. Scheinbar hat sein Vater der Mutter untersagt weiterhin in Ganjam zu wohnen obwohl er überhaupt nie zu hause war und sie nie unterstützt hat. Robert Roshan den wir seit 2 Jahren immer wieder ermahnten haben wird nun aus dem Hilfsprogramm genommen, da er praktisch nie zur Schule ging. Weder wir, noch Sr. Sunitha oder seine Mutter konnten ihn davon überzeugen, dass die Schule wichtig ist für seine Zukunft.

Unser Englisch-Lehrer nimmt jetzt Musikunterricht und hat keine Zeit mehr!

In unseren letzten Nachrichten konnten wir erfreut mitteilen, dass wir einen guten Englisch-Lehrer gefunden hatten und eine Anzahl Kinder vom Englischunterricht profitieren konnten.

Leider hat sich jedoch dieser Lehrer dazu entschlossen nun seinerseits Musikunterricht zu nehmen, so dass ihm die Zeit fehlt um noch neben seinem Lehrerberuf bei uns zu unterrichten. Selbstverständlich werden wir uns bemühen wieder eine gute Lehrkraft zu finden, doch dies wird wiederum nicht einfach sein.

Und wieder geht’s nach Ganjam in Indien

Am 15. Mai 2005 sind wir der schneebedeckten Bergkuppe des Rigi und den im Tal herrschenden winterlichen Temperaturen entflohen um in wärmere Gegenden zu ziehen. Nicht, dass wir etwa umgezogen sind aber unsere Verpflichtungen in Indien riefen uns.

So aussergewöhnlich kalt es bei uns in der Schweiz war, genau so aussergewöhnlich heiss empfing uns Indien. Die in der Gegend des südlichen Karnataka fallenden Regen vom Februar und März waren ausgeblieben und so gab es tagsüber Temperaturen von 35° – 38° im Schatten und auch in unserem Gebäude stiegen die Temperaturen auf über 30 Grad. Nicht verwunderlich, dass man selbst beim Ausruhen zum Schwitzen kam.

Das Ausruhen beschränkte sich sowieso nur auf die Nachtzeit denn tagsüber werden wir voll gefordert, sei es im Nähcenter, beim Besuchen der Familien, oder als Anlaufstelle für alle möglichen Bitten um Hilfe und Unterstützung. Doch die Nacht gehört uns, denn in dieser ländlichen Gegend gibt es keine Möglichkeit sich am Abend zu vergnügen. Kein Kino, keine Konzerte, kein Fernsehen, nichts als dunkle Nacht und manchmal sogar sehr dunkel, wenn gerade wieder mal der Strom ausfällt. Nach etwas plaudern und manchmal etwas spielen geht es meistens schon zwischen 20 und 21 Uhr ins Bett. Jedoch am Morgen früh um 5 Uhr ist Tagwache und die Luft angenehm frisch. Es bleiben etwa drei Stunden wo man ohne gestört zu werden etwas erledigen kann, doch etwa um 8 Uhr geht der Alltag los.

Besuch der Schule von Kirangoor

Besuch der Schule von Kirangoor zur Kontrolle von Robert Roshan. Er ist in der Schule, jedoch hat er dieses Jahr von 99 Schultagen 30 Absenzen. Wenn er sich nicht bessert bis zum Mai wird er nicht mehr unterstützt.

Bei Anthony Ravi und Anthony Kiran sollte das Hausdach repariert werden. Wir haben gesagt wie und sie sollen uns einen Kostenvoranschlag unterbreiten. Wir rechnen mit höchstens 4000 – 5000 INR, da fast keine Materialkosten anfallen werden.

In die Falle getappt!

Heute ist malen angesagt, der Handlauf der Aussentreppe muss gestrichen werden. Da ausser den Tailoring-Leuten heute eigentlich niemand kommen muss ist dies der beste Tag. Aber jeden Neuankömmling muss man schon auf Distanz warnen nicht den Handlauf zu berühren. Schnell eine Minute weg um die Nase zu putzen und schon kommt Ramachandra und tappt in die Falle respektive in die Farbe.

Wir stellen „SODIS“ vor!

Heute Nachmittag besuchen wir zusammen mir der Schwester einige Familien in „Mini-Pakistan“ und führen das „SODIS-Projekt“ vor. Dies ist ein Methode um sauberes Trinkwasser zu gewinnen ohne zu kochen. Es gibt solche die es versuchen wollen. Warten wir ab ob es klappt. Die Schwester hat hin und wieder hinzugehen um zu instruieren und zu kontrollieren.

„Tailoring Assossiation of Karnataka“ hat uns besucht…

Im Oktober 2004 hatte die Nähschule Besuch von Vertretern der „Tailoring Assossiation of Karnataka“. Diese Herren waren höchst erstaunt über die Räumlichkeit, die Ausrüstung sowie über das Programm der Ausbildung. Sie erklärten, dass sie noch keine so schöne, saubere, gut organisierte und geführte Nähschule angetroffen hätten.

Wiederum nach Mysore und abends kein Strom!

Nach Mysore bei diversen Zeitungen vorbeischauen um einen Artikel über die beste Tailoring-Schule von Karnataka zu platzieren. Jedoch nur beim kleinen „Star of Mysore“ war ein Redaktor zu erreichen. Bei den andern Zeitungen kommen sie erst am Nachmittag. Also in die Stadt zum Einkaufen, aber Riesenpech, alle Läden streiken wegen irgend etwas. Sogar die Tür zum Shilpasri ist zu. Schon glaube ich mein Kingfisher in der Ferne verschwinden zu sehen als sich die Tür doch öffnet. Ein kühles Bier und zurück nach Ganjam.

Seit 11 Uhr gibt es hier keinen Strom. Um 17 Uhr macht ein Elektriker eine Reparatur an der Strassenlampe, wozu man unsere Leiter holt, welche ich dann selber wieder hereinholen darf weil man einfach verschwindet. Später bemerken wir, dass alle rund um uns Strom haben aber wir nicht. Nach Herumrennen und sich wundern weshalb, klappt es auch bei uns und um 19 Uhr haben wir wieder Strom um das Nachtleben zu geniessen.

Die Nähschule entwickelt sich immer besser!

Unser Tailoring-Center respektive die Nähschule entwickelt sich immer besser. Bei unserer Anwesenheit Mai/Juni konnten wir einige Stricksachen mit nach Hause nehmen und diese in der Schweiz verkaufen. Da wir hier viel mehr dafür erhalten als in Indien bedeutet dies, dass wir dadurch einen schönen Betrag in die Kasse geben konnten.

Obwohl das Center ein Teil des 1×1 für Indien ist, soll es autonom und selbsttragend arbeiten. Das heisst es führt eine eigene Rechnung welche selbstverständlich durch uns kontrolliert und im Bedarfsfall auch gespeist wird.

Die neuen Nähkurse begannen am 1. Juli 2004 mit insgesamt 11 Schülerinnen und dauern bis Ende März 2005.

Sehr viele warten auf einen Platz um an den Kursen teil zu nehmen, doch können wir nur maximal 10 – 11 Teilnehmerinnen berücksichtigen. Bei einer zu grossen Anzahl von Schülerinnen würden diese nicht mehr so viel profitieren.

Wir suchen einen Englisch-Lehrer…

Stichwort Englisch: Schon seit längerer Zeit haben wir uns nach einem guten Englisch-Lehrer oder Lehrerin umgesehen um einigen auserwählten Kindern Englisch Unterricht zu geben. Was nämlich in den Standard-Schulen an Englisch gelehrt und gelernt wird taugt nicht sehr viel.

Am 20. November 2004 war es dann so weit, unsere erste Englischklasse startete ihren Unterricht. Der Lehrer kommt aus Mysore und unterrichtet am späten Mittwochnachmittag, sowie am Samstagnachmittag, insgesamt 5 Stunden pro Woche. Er wird von 1×1 für Indien pro Stunde bezahlt und wir hoffen, dass der Unterricht andauert und die Kinder einiges davon profitieren werden.

Brot backen, Benzinvorrat anlegen und Rechnungen kontrollieren

Temperatur 20° am Morgen, herrlich erfrischend. Ich mache einen Brotteig und während der Teig aufgeht fahre ich nach Kirangoor und hole Benzinvorrat für den Töff. Rechnung von Elizabeth kontrollieren alles OK. Brot backen, es sieht höllisch gut aus hoffentlich ist es auch so. Rechnung mit Elizabeth besprochen, ihr Cash stimmt. Nach Srirangapatna um die Rechnungsbücher zu kopieren, schliesslich brauchen wir Belege für die Revision und das Steueramt in Schwyz.

Ein kleiner Bericht!

Seit 9 Jahren sind wir nun in Indien tätig und seit unserem letzten Artikel in der Lokalpresse sind auch schon 6 Jahre vergangen. So haben wir vor unserer Abreise der „Rigi-Post“ für die Ausgabe des 9.Dezembers den folgenden Artikel eingereicht:

Nachrichten vom „1×1 für Indien“

Schon 6 Jahre sind es her seit in der Rigi-Post etwas über dieses kleine Hilfswerk geschrieben wurde. Deshalb finden wir es an der Zeit, Sie liebe Leser und Gönner, wieder einmal mit ein paar Informationen auf dem Laufenden zu halten. Auch bei einem kleinen Hilfswerk hat man sich ständig Gedanken zu machen wie es weiter gehen soll und was man anders oder besser machen muss.

Hin und wieder denkt man an Projekte wie Kinderheim, Frauenhaus, Krankenstation und dies und jenes. Doch wenn man es sich gut überlegt so wäre eine ganzjährige Anwesenheit unsererseits oder die Anstellung einer vertrauenswürdigen und gebildeten Person erforderlich. Dies ist aber aus Kostengründen nicht möglich, und so kommt man nicht umhin „kleinere Brötchen zu backen“. Und wie sehen diese kleineren Brötchen aus, und was hat sich in den vergangenen 6 Jahren getan und geändert?

Die 1996 begonnene Unterstützung von zuerst 50 Kindern hat sich mittlerweile auf 110 Kinder ausgeweitet und bereits sind einige Ausbildungserfolge zu verzeichnen.

So hat Anthony Raj sein Master of Arts Examen bestanden und arbeitet heute bei einer Versicherungsgesellschaft. Shabeer machte seine Ausbildung zum Sportlehrer und fand eine Anstellung an einer Schule in Ganjam. Fahima Banu hat die Ausbildung zur Kindergärtnerin abgeschlossen und wurde von den Karmeliten-Schwestern für deren Kindergarten in Ganjam angestellt. Jyothi wurde am 24.April 2004 nach einigen Jahren Klosterleben und Ausbildung, definitiv als Nonne in den Orden der Karmeliten-Schwestern aufgenommen. San Roshan hat die Lehre zum Klempner abgeschlossen und Vinaya Britto ist nun ausgebildeter Radio- und Fernsehmechaniker. Weitere Burschen und Mädchen befinden sich in der Ausbildung oder kurz vor dem Abschluss. Ohne die Hilfe vom „1×1 für Indien“ würden sie alle als Kulis ihr Leben fristen.

Viele Kinder und Erwachsene konnten, und können wir immer noch, in einer sehr guten Privatklinik hospitalisieren, operieren oder pflegen lassen, und dies zu äusserst günstigen Bedingungen. Auch ist jeder benötigte Spezialarzt innert kürzester Zeit zur Verfügung.

Auch Babu konnte mit einem Rollstuhl geholfen werden.

In der von uns neu erbauten und eingerichteten Nähschule beschäftigen wir 3 Frauen sowie einen Schneider auf Abruf. Alle Schuluniformen und die Kleider für die unterstützten Kinder werden hier, nebst diversen andern Sachen, hergestellt. Jedes Jahr werden 10 -12 Frauen und Mädchen im Nähen, Stricken und Sticken ausgebildet.

Verschiedene sehr notwendige Renovationen und Reparaturen, ja selbst Neubauten von Behausungen haben wir finanziert. Installationen von Elektrisch sowie Registrierungen des Eigentums im Grundbuch wurden durch uns vergütet.

Früher so……..

Heute so, dank der Hilfe vom 1×1 für Indien

Durch all diese langjährigen Tätigkeiten bekannt, sind wir natürlich zur Anlaufstelle für alle erdenklichen Wünsche und Anliegen geworden. Wir mussten uns Gedanken machen betreffend einer Neugestaltung der Hilfeleistungen. Wir können und dürfen nicht nur die Patenkinder unterstützen, sondern müssen noch vermehrt auch andere Bedürftige berücksichtigen.

Wir haben deshalb beschlossen ab Juni 2004 keine neuen Kinderpatenschaften mehr zu vergeben.
Die bereits bestehenden Patenschaften werden im gleichen Sinne wie zuvor weitergeführt bis das Patenkind die Ausbildung abgeschlossen hat.
Ab sofort jedoch unterstützen wir alle bedürftigen Kinder, die uns um Hilfe bitten, in ihrer Ausbildung was auch dazu beiträgt keine Missgunst unter den Leuten aufkommen zu lassen.

Helfen Sie mit, dass das 1×1 für Indien weiterhin eine helfende Hand ausstrecken und vielen armen Kindern und Erwachsenen zu einer besseren Zukunft verhelfen kann.

Konto: 1×1 für Indien Nr. 362 079-1767 bei Schwyzer Kantonalbank, PC Kto.60-1-5

Wir danken vielmals allen Spendern und wünschen allen Lesern frohe Festtage.

Wie hat sich Sr. Sunitha eingearbeitet?

Gespannt waren wir natürlich darauf wie sich unsere neue Sr. Sunitha eingearbeitet hatte. Während unserer Abwesenheit hat sie sich liebevoll um alle Anliegen der Kinder und deren Familienangehörigen gekümmert. Wir konnten ihr ein grosses Lob aussprechen, denn alles war perfekt und auch die Buchführung war absolut in Ordnung.

Sr. Sunitha sorgt auch dafür, dass alle Patenkinder ihren Paten zu Weihnachten/Neujahr eine Karte sendet. Manche mögen sich über die schöne Schrift und die Zeichnungen auf den Karten gewundert haben. Die Erklärung hierzu ist einfach; für viele Kinder hat die Schwester selbst Hand angelegt und diese mussten dann nur noch unterschreiben. Wir baten nun aber Sr. Sunitha in Zukunft die Kinder selber schreiben und zeichnen zu lassen und eventuell nur die Übersetzung von Kannada ins Englische zu machen, für jene Kinder die noch kein Englisch können.

Eine Bernina Nähmaschine für feine und anspruchsvolle Arbeiten…

Allen 11 Frauen und Mädchen, welche die Schneiderei-Kurse besuchten, konnte das begehrte Zertifikat für die bestandene Kursteilnahme ausgehändigt werden.

Aus der Schweiz haben wir eine Bernina Nähmaschine mitgebracht womit auch sehr feine und anspruchsvolle Arbeiten erledigt werden können. Natürlich nicht durch die Schüler sondern durch Elizabeth der Leiterin der Nähschule. Und dies natürlich auch nur wenn nicht gerade eine der sehr häufigen Stromabschaltungen im Gange ist. Das ist neben dem Anschaffungspreis auch ein Grund dafür, dass die indischen Schneider auf den altbewährten Singer Tretmaschinen arbeiten.

Erfreuliche Nachrichten!

Doch nun noch ein paar etwas erfreulichere Nachrichten:

Fahima Banu hat die Ausbildung zur Kindergärtnerin abgeschlossen und hat im Kindergarten der Karmeliten-Schwestern eine Anstellung erhalten.

Auch Anthony Raj der mit seinem MA-Abschluss längere Zeit auf Job-Suche war, hat nun in Bangalore bei einer Versicherung eine Anstellung gefunden.

Jyothi wurde am 24. April 2004 definitiv als Nonne in die Kongregation der St. Teresas Karmeliten Schwestern aufgenommen.

Ein Rollstuhl für Babu!

Bei unserem Besuch der Familie von Anthony Ravi und Anthony Kiran beschliessen wir für den teilweise gelähmten Vater einen Rollstuhl zu kaufen damit er besser ins Freie und in die nähere Umgebung gehen kann. Bereits am nächsten Tag müssen wir nach Mysore und besorgen dort den Rollstuhl. Babu, der Vater freut sich riesig darüber. Leider erhalten wir am 25. Juni 2004 die Mitteilung, dass er mit einer Herzattacke in die Klinik eingeliefert werden musste. Die Ärzte kämpfen um sein Leben und wir hoffen nur das Beste.

In der Notaufnahme des staatlichen Spitals…

Als wir in Srirangapatna, Anthony Vincent und seine Mutter besuchten, fanden wir diese zu hause am Boden liegend und voller Schmerzen. Ihr Mann hatte ihr seit 3 Tagen verweigert einen Arzt aufzusuchen, wahrscheinlich deshalb weil er sie so verprügelt hatte, dass sie nicht mehr auf ihren Beinen stehen konnte. Da wir sofort keinen Arzt erreichen konnten brachten wir sie in die Notaufnahme des staatlichen Spitals. Hier wurde sie notdürftig behandelt und wieder nach hause entlassen. Wir versorgten sie mit Lebensmitteln für sich und die beiden Kinder.

Wie sich die Notaufnahme und der Injektionsraum in diesem staatlichen Spital präsentieren, zeigen die folgenden Fotos.

NOT-Aufnahme heisst es wahrscheinlich weil hier ganz grosse Not herrscht.

Sr. Sunita ist angekommen!

Am 18. Mai früh morgens ist Sr. Sunitha angekommen. Sie ist jung und wird sicher eine gute Arbeit machen. Gut ist auch, dass sie so zeitig kam, denn dies gibt uns die Möglichkeit sie zusammen mit Sr. Kathleen, vor deren Abreise, in die Gegebenheiten ihres neuen Tätigkeitsfeldes einzuarbeiten. Es wird doch eine Weile brauchen um alle Kinder und Familien kennen zu lernen und sich mit den Geschehnissen vertraut zu machen. So haben wir denn auch sofort damit begonnen alle Kinder und Familien zu besuchen damit sie auch Sr. Sunitha wieder finden kann.

Und wieder reisen wir nach Südindien…

Am 14. Mai 2004 reisten wir wieder nach Südindien und trafen am nächsten Morgen in Ganjam ein. Es war bereits klar, dass 3 von 4, der im Kloster Ganjam tätigen Schwestern transferiert werden, worunter zu unserem Leidwesen auch Sr. Kathleen sein wird. Sie, die uns während 4 Jahren vor Ort zu unserer vollsten Zufriedenheit betreut, unterstützt und vertreten hat.

In der Zeit zwischen Ende des alten Schuljahres und Anfang des neuen, sind die Schwestern immer etwas in Bewegung. Sie benutzen diese Zeit um ihre Angehörigen wieder einmal zu besuchen oder um sich besuchen zu lassen, Seminare zu besuchen, Ferien zu machen usw.

Es ist manchmal unmöglich eine bestimmte Person zu erreichen um Sachen zu organisieren, und doch ist es wichtig für uns vor dem Beginn des neuen Schuljahres auf dem Platz zu sein. So gilt es dann halt abzuwarten und sich zu gedulden, auch um die neuen Schwestern kennen zu lernen.

Schulküchen in Karnataka!

Im September 2004 wurde die Regelung Norm NP-NSPE 2004 revidiert, welche allen studierenden Kinder in den Klassen I-V, in den von der Regierung unterstützten Schulen, ein gekochtes Mittagessen zur Verfügung gestellt werden muss. Eines der Ziele ist die Förderung armer Kinder, aus benachteiligten Bereichen, die Schule regelmässig zu besuchen und ihnen zu helfen sich auf Aktivitäten im Klassenzimmer zu konzentrieren. Die Mahlzeit muss im Minimum 300 Kalorien und 8-12 Gramm Eiweiss enthalten. Dies kam so plötzlich, dass die meisten Schulen überrumpelt wurden und überhaupt keine Infrastruktur vorhanden war, um das Essen zu bereiten.

Der Staat war eigentlich für die Bereitstellung der Hilfe für die Küchen bis zu einem Höchstbetrag von Rs. 60.000 pro Einheit verpflichtet gewesen. Doch die Zuweisungen im Rahmen des MDMS (Mid-day Meal Scheme) für den Bau der Küchen in allen Schulen, in den nächsten 2-3 Jahren, konnte einfach nicht angemessen nachgekommen werden. Dies war ja zu erwartet, das man nicht proaktiv genug auf die Konvergenzen mit anderen Entwicklungsprogrammen, welche sich für diesen Zweck einsetzten, reagieren konnte.

Somit sahen wir uns wiederum gezwungen, auf die Unzulänglichkeiten zu reagieren, zu helfen und zu improvisieren. Das Ganze sieht dann halt aus als wäre ein Pfadfinder-Camp vor Ort. Ein Topf wird auf ein paar Steine gestellt und darunter wird ein Feuer entfacht und los geht die Kocherei. Alles gut und recht, aber die Küche muss auch funktionieren wenn es windet und regnet.

Also hat man sich in einen kleinen, baufälligen Raum der 200-jährigen Schule von Ganjam zurück gezogen. Kein Problem werden Sie sagen, aber kochen Sie mal in einem kleinen, geschlossenem Raum auf einem Holzfeuer. Der Rauch wird Sie schnell aus dem Raum vertreiben.

So haben wir denn letztes Jahr beschlossen der Schule der Karmeliten Schwestern eine Küche zu bauen. Nun ist die Küche fertig und alle sind sehr erfreut darüber.

Zu der ganzen Angelegenheit der Schulküche ist Folgendes sehr wissenswert:

An dieser Schule werden in 7 Klassen 389 Kinder unterrichtet. Die Schülerzahl in den einzelnen Klassen variiert, so sind zum Beispiel in der ersten Klasse 67 Kinder und in der vierten Klasse deren 46.

Täglich sind aber zwischen 350 und 360 Kinder in der Schule. 30 bis 40 Kinder sind fast immer irgendwie abwesend. Sei es wegen Krankheit, einfachem Fernbleiben oder irgendwelchen anderen Gründen.

Für jeden Tag ist eine Liste zu führen woraus die Anzahl der anwesenden Kinder hervorgeht. Jeweils am 25. des Monats ist die Liste dem Government zu senden zwecks Vergütung.

Die Schule erhält pro Kind und Tag 100 Gramm Reis sowie 1,31 Rupien (dies sind ca. 3,5 Rappen). Die Entschädigung erfolgt dann cirka am 10. des Folgemonats.

Gekocht wird nun in der neuen Küche mit Gas, eine Flasche kostet 900 Rupien und ist gut für ca. 10-12 Tage, sofern noch zusätzlich im Freien mit Holz das Heisswasser zubereitet wird. Doch dies kostet auch täglich 20-30 Rupien. Ohne Holzfeuerung hält eine Gasflasche etwa 8 Tage.

Es wird vegetarisch gekocht. Ca. 60% der Kinder sind Hindus, 35% sind Moslems und der Rest sind Christen.

Gemüse und Zutaten zum Reis sowie die Löhne für die Köchinnen, das Gas, Brennholz usw. sind mit der Vergütung von Rs. 1,31/Kind und Tag zu begleichen.

Für die Küche hat die Schule 2 Köchinnen eingestellt. Diese erledigen den Einkauf und die Zubereitung der Mahlzeiten und arbeiten von 09:30 bis 14:00 Uhr. Der Staat schreibt aber für diese Grössenordnung der Schule eine Hauptköchin mit einem Lohn von 600 INR/Mt. Eine erste Hilfsköchin (400 INR/Mt.) und eine zweite Hilfsköchin (300 INR/Mt.) vor.

Not!

Dass Not in vielen Fällen vorherrscht zeigen die nächsten Beispiele.

Einem Bauer musste eine Niere eingepflanzt werden. Seine Schwester spendete sie ihm. Für die Operation reichte das Geld noch aus doch muss nun die Schwester während 3-4 Monaten täglich auch Tabletten einnehmen, und hierfür reicht das Geld nicht mehr aus. Dazu kommt nun noch, dass der Neffe des Bauern einen Leistenbruch erlitt und vorsorglich ebenfalls operiert werden sollte.

Doch die ganze Familie war schon auf äusserster Sparflamme um die Nieren-Transplantation zu bezahlen, wie soll man nun noch diese Leistenoperation verkraften? Wir erklärten uns bereit für diese Operation sowie für die Tabletten die Kosten zu übernehmen, und vier Tage später war der erst 10-jährige Patient Barath, operiert und wieder zu hause.

Bei einem Besuch in einem der umliegenden Dörfer entdeckten wir ein Mädchen mit einem dicken, geschwollenen rechten Bein. Wir sprachen mit den Eltern und vernahmen, dass das Kind seit Geburt an Elefantiasis leide. Wir haben veranlasst, dass das Kind zur Untersuchung in unsere Vertrauensklinik gebracht wird um abzuklären ob noch eine Behandlung möglich ist. Sollte dies möglich sein, werden wir die Kosten übernehmen.

Akash bekam im Juni wiederum neue orthopädische Schuhe, und normalerweise kontrollieren wir immer ob sie noch i.O. sind oder ob neue benötigt werden. Diesmal aber kam die Mutter und sagte Akash benötige neue Schuhe denn die andern hätte der Hund gefressen.

Diese Beispiele betreffen nun in keinem Fall ein Patenkind. Wir bieten auch Hilfe an alle die sich wirklich in einer Notlage befinden, man kann doch nicht wegschauen wenn ein Kind in Not ist, und man kann auch nicht vor gängig um Spenden bitten um helfend einzugreifen. Hilfe muss spontan und meistens auch dringend gegeben werden. Deshalb sind wir für alle Spenden sehr dankbar die nebst den Kinderpatenschaften gemacht werden, und die es uns ermöglichen Soforthilfe zu geben.

Elternabend

Auf den 29. November 2003 hatten wir bereits vor unserer Ankunft einen Orientierungsabend angesagt. Alle Eltern, sowie die Patenkinder, welche eine höhere Schule besuchen, waren eingeladen. Bis auf wenige Ausnahmen waren alle da. Bedauerlicherweise aber fanden nur fünf Väter den Weg zu dieser Orientierung.

Wir erklärten ihnen unser Hauptziel, nämlich die Kinder eine gute Ausbildung machen zu lassen, und sie auch sonst nach unseren Möglichkeiten zu unterstützen. Wir baten die Eltern uns bei diesem Vorhaben zu helfen und die Kinder zum Besuch der Schulen anzuhalten.

Jene welche kein Interesse an der Ausbildung haben und immer wieder der Schule fern bleiben und sich nicht bemühen werden schlussendlich nicht mehr durch uns unterstützt, denn es gibt genügend andere Kinder und Eltern die froh sind unsere Hilfe zu erhalten.

Ausbildung als Krankerschwester, Lehrer, Kindergärtnerin und Klempner…

Flavia ist nun seit August in Bangalore und macht die Ausbildung zur Krankenschwester. Ihre Ausbildung wird uns pro Jahr ca. 900 – 1200 Fr. kosten. Wir haben uns die Aufgabe gestellt den Kindern eine gute Ausbildung zu ermöglichen und dies wird durchgeführt auch wenn die Beiträge für die Patenschaft dafür bei weitem nicht ausreichen.

Shanti befindet sich seit August in der 2 1/2 jährigen Ausbildung für das T.C.H. (Teachers Certificate Higher) womit sie nach dem Abschluss in den höheren Primarschulklassen unterrichten kann.

Fahima Banu besucht das Training um als Kindergärtnerin tätig zu werden.

San Roshan der das I.T.I (Industrial Training Institute) während 2 Jahren besuchte, hat seine Ausbildung zum Sanitär (Klempner) abgeschlossen, und mit einem Dankeschön scheidet er aus den Reihen der Patenkinder.

Razaq Pasha der uns und seinem Onkel und Tante immer wieder Schwierigkeiten bereitete indem er aus beiden Internaten, wo wir ihm die Möglichkeit für eine gute Ausbildung boten, davon lief und nun auch noch die öffentliche Schule nicht mehr besuchen wollte, schied aus diesem Grunde aus dem Programm aus.

Dies sind fünf Beispiele, aber es ist unmöglich von allen Kindern deren Ausbildungsweg zu beschreiben. Haben wir doch heute 110 sogenannte „Patenkinder“ nachdem wir auch jetzt wieder Neue ins Programm aufgenommen haben.

Die Nähschule arbeitet optimal!

Die Nähschule, respektive das Tailoring-Center arbeitet optimal. Zur Zeit arbeiten dort Elizabeth die Leiterin, Shanta und Selma sowie ein Schneider auf Abruf.

Shanta, die weder schreiben noch lesen kann, ist seit dem 1. Juni 2001 im Tailoring tätig und entwickelt sich sehr gut. Sie näht und strickt bereits ebenso gut wie Elizabeth.

Selma beschäftigen wir seit November 2002. Sie machte früher einmal den Tailoring-Kurs und strickt nun zur Hauptsache Pullover. Sie ist sehr ruhig und arbeitsam und freut sich über ihren Verdienst. Sie wird nach den erstellten Stückzahlen bezahlt und erhält hin und wieder ein Extra für besonders gute Leistungen.

Seit 1. Juli 2008 sind es wiederum 11 Frauen und Mädchen, welche an den dreimonatigen Kursen teilnehmen. Da alles gut voranschreitet und es die Zeit erlaubte, machten wir mit den Schülerinnen einen kleinen Ausflug zum Fluss. Baden und Bootfahren war angesagt und sogar Mayte und Elizabeth mussten mit ins erfrischende Bad.






Mayte ist bei den Schülerinnen so beliebt, dass man sie am liebsten für immer in Ganjam behalten möchte und so ist es nicht verwunderlich, dass beim Abschied wiederum Tränen flossen.

Wieder für ein paar Wochen in Ganjam!

Auch dieses Jahr sind wir wieder für ein paar Wochen in Ganjam, wo wir immer mit Freuden erwartet und dementsprechend empfangen werden. Diesmal hatten wir keine so unangenehme Nachricht wie im Mai. Diese hatten wir bereits Mitte Oktober als uns per E-Mail mitgeteilt wurde, dass George der Ehemann von Elizabeth, der Leiterin der Nähschule, unerwartet im Alter von 44 Jahren gestorben sei. Dies war auch der Grund, dass wir wieder zu zweit nach Indien reisten, obwohl Fritz (Uncle) eigentlich diesmal alleine hinreisen wollte, da die Nähschule sehr gut funktioniert. Doch durch den Tod von George, hatte Elizabeth sicher auch die Hilfe von Mayte nötig.